Alessandro Casciaro
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Anvidalfarei

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"Mit ihren massigen Körpern und intensiven physischen Präsenz nehmen sie den Umraum ein und fordern zum Dialog auf, so etwa die in einem Eisenstangenkonstrukt eingeschlossenen Menschenfiguren: zusammengekauert oder mit ausgestreckten Gliedmaßen erscheinen sie wie eingekeilt und gefangen, aber auch be- und geschützt wie in einem Cocoon. Unweigerlich stellt sich die Frage, wie bildhauerisch fordernd es sein muss, geistig wie physisch, derartige Körpervolumina zu formen, ihnen aber gleichzeitig, bei all ihrer Schwere – so widersprüchlich das scheinen mag – auch eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen. Anvidalfarei spricht von einer regelrechten Sucht, die ihn antreibt, Körper in schwerer Bronze Figur werden zu lassen. Seine Inspiration und Wahrnehmung sind geprägt von der unmittelbaren Lebenserfahrung, die sich auch vom bodenständigen Leben als Bauer speist. Der Künstler blickt mit ungeschöntem Blick, aber auch mit viel Liebe und Empathie auf das Sein und die menschliche Existenz. Mit Titeln wie „Im Werden“, „Der verlorene Sohn“ oder „Versöhnungsgruppe“ sind seine Skulpturen eine Materie gewordene, emotional-existenzielle, ja religiöse Erfahrung. Der Künstler belebt die Bronze, das scheinbar Unförmige folgt keiner klassischen Proportionslehre, sondern nimmt Modell am realen Körper, oft auch am eigenen Leib. Die Arbeit ist für ihn unausweichlich eine Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Gemütszuständen, seiner Seelenverfassung, seinen Emotionen. „Immer geht alles von mir aus, von meinen Gedanken, von meinen Händen“, betont Anvidalfarei. „Die Frage ist, wie tief, wie ernst, wie klar ich mit diesem Arbeiten zu leben imstande bin und ob es mir gelingt, durch diesen Prozess in eine universale Dimension zu kommen, die dann nicht nur mich als Individuum, sondern mehr Menschen, die ganze Menschheit betrifft.“
Es sind meist massige Figuren, Männer wie auch Frauen, die nicht den Schönheitsidealen und Vorstellungen des Zeitgeistes zu entsprechen scheinen und doch um so vieler näher an der Wirklichkeit sind als die Models und Society-Stars, die uns ständig von Hochglanzmagazinen, Internetforen oder Filmen entgegen lächeln. Die Bronzeskulpturen sind nicht abstrakt, nicht konzeptionell, auch nicht völlig innovativ, was das Medium und seine Umsetzung, seine Themen betrifft, und doch sind die Arbeiten in ihrer authentischen Wahrhaftigkeit und intensiven Lebendigkeit zeitgemäß und gegenwärtig. Anvidalfareis Menschen leben in unserer Welt und gleichzeitig in ihrer ganz eigenen, sie interessieren sich nicht für uns Betrachter/innen und doch können wir nicht davon ablassen, sie anzusehen, uns mit ihnen auseinander zu setzen.
Anvidalfarei lebt in Abtei im Gadertal und ist ein Weltbürger. Immer wieder treibt es ihn über die Grenzen des Landes hinaus, er kommt aber auch gerne wieder zurück, in die „Einöde“, wie er sagt, denn hier sei er viel aktiver und kreativer als etwa in einer großen Stadt. Das Land, die Natur, die Arbeit auf dem Hof waren und sind sein Kraftfeld und schöpferischer Antrieb. Wohl nur hier konnte er eine derartig glaubwürdige skulpturale Sprache erschaffen und bewahren. Eine gesteigerte, machtvolle Körperlichkeit, nie surreal überzeichnet oder formal reduziert, sondern einfach eine wahrhaftige wie authentische Darstellung von uns Menschen. Ein zeitloses Thema."
 
Günther Oberhollenzer
 

Ausstellungen

Unter seinen wichtigsten Einzelausstellungen nennen wir: 2022, Lois Anvidalfarei, Lanserhaus Eppan (I); 2021, Ces, Tublà da Nives, St. Ulrich (I) und Passus, Johanniterkirche Feldkirch (A); 2020, Viandanti, Castel Pergine (I); 2019, Ita Est, Galerie Alessandro Casciaro (I); 2018, Dieser Körper, der nicht aufhört, Barlach Halle K, Hamburg (D); 2018, Körper, Historisches Museum, Regensburg (D); 2016, Galerie Art in Gstaad, Gstaad (CH); 2016, Galerie Maier, Innsbruck; 2013, Macro Testaccio Roma (I); 2013, Museum für Druckgrafik, Rankweil, Feldkirch (A); 2012, Ecce Homo, Wilten Kloster, Innsbruck (A); 2009, Kloster der Basilika, Mondsee (A); 2007, Art House, Bregenz (A); 2004, RLB-Atelier, Lienz (A).
 
Zahlreichen sind außerdem die Teilnahmen an Gruppenausstellungen, unter anderen: 2022, Distanzzone, (Galerie Prisma (I) und Halle 50, München (D); 2020, LOCKOUT, Festung Franzensfeste (I); 2019, Baustelle Conditio Humana, European Forum Alpbach (A); 2013, L’immagine terrestre, mit Gotthard Bonell, Centro Arte Contemporanea, Cavalese (I); 2013, Born in the Dolomites, Künstlerhaus, Wien (A); 2013, Ecce Homo, Schloss Bruck, Lienz (A); 2013, Sculptura, Galerie Doris Ghetta, St. Ulrich (I); 2011, Figura, Festung Franzensfeste, Franzensfeste (I); 2011, Eine Geschichte des Körpers, Lanserhaus, Eppan (I); 2011, Pavillon Italia, 54° Biennale von Venedig, Venedig (I); 2010, Villa Falkenhorst, Thüringen (A); 2009, Sammellust, Kunst-Meran, Meran (I); 2009, Todesangst, Stadtmuseum Bruneck, Bruneck (I); 2009, Clusa, Stadtmuseum Klausen, Klausen (I); 2009, Zauber der Zeichnung Lanserhaus, Eppan (I); 2009, 50 Jahre EPL, Istitut Ladin, St. Martin in Thurn (I);
2009, Stadtmuseum Bruneck (I); 2008, 5 Schüler von Prof. Joannis Avramidis, Art House, Bregenz (A); 2008, Skulptur, Villa Claudia, Feldkirch (A); 2008, Museum Ladin, St. Martin in Thurn (I); 2006, Kunst+Sakralraum, Hofburg Brixen, Brixen (I); 2005, Kunst.Szene.Südtirol, Palais Lichtenstein, Feldkirch (A); 2004, Il Nudo fra ideale e realtà, Galerie von modernen Kunst in Bologna, Bologna (I);
 
Öffentliche Arbeiten: 2017, Bruno mit Hand, Krankenhaus, Hall in Tirol (A); 2017, Conditio HumanaGefallene Engel, Zott-Museum, Unterammergau (D); 2015, Gestaltung des Presbyteriums der Kirche San Lorenzo in der Wasserlos, Mondsee (A); 2014, Gestaltung des Presbyteriums der Basilika, Sonntagberg (A); 2011, Homage an Friedrich Gulda, Guldapark, Wien (A); 2009, Fassade der Hoffnung, Altes Landhaus, Innsbruck (A); 2008, Altar, Ambo, Priestersitz in der Pfarrkirche Maria im Moos, Sterzing (IT); 2007, Metànoia, Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“, Bozen (I).

Biografie

Lois Anvidalfarei wurde 1962 in Abtei, Südtirol geboren. 1976 bis 1981 besuchte er die Staatliche Kunstschule in St. Ulrich im Grödnertal. Ab 1983 folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Dort erhielt Lois Anvidalfarei seine entscheidende Prägung als Zeichner und Bildhauer durch die Begegnung mit dem Werk und der Person von Prof. Joannis Avramidis. Seit 1989 lebt und arbeitet er in Abtei.
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