Alessandro Casciaro
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Josef
Rainer

Metamorphoses

16.02. 12.03.2022
Alessandro Casciaro
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In Ovids kosmologisch-mythologischem Epos „Metamorphosen“ sind die Protagonisten – Götter wie Helden – stetem Wandel unterworfen. Beginnend mit der Weltentstehung aus dem Chaos und durch alle Zeiten hindurch ändern sie ihre Existenzform und Physis, überwinden Grenzen und treten in unterschiedlicher Gestalt auf. Unter dem Gesichtspunkt der dauernden Veränderung der Welt sind sie und ihre Umwelt ständiger Umformung ausgesetzt, stets auf der Suche nach Identität und Verwirklichung. Verpackt in mythologische Geschichten werden Erneuerung, Scheitern und kafkaeske Verwandlung vorweggenommen und beschrieben. Trotz aller Umgestaltung behalten die Akteure aber stets ihren wesensbestimmenden Kern. Nicht zuletzt durch die Idee der Wandelbarkeit, der antistatischen Grundhaltung und der fließend verscheinenden Grenzen zwischen Kosmos, Natur und Mensch waren und sind Ovids Verwandlungssagen reiche Inspirationsquelle für Wissenschaft und Kunst – schließlich ist jede Kunst Metamorphose. Für Ovid selbst scheint seine Dichtung Mittel zur Antwortfindung auf eine Frage gewesen zu sein: Was mag hinter allen Erscheinungen Dauer besitzen? – eine Frage, der sich auch diese Ausstellung stellt, ebenso wie der Frage nach Ambiguität und veränderlichen Erscheinungsformen. Dieses Thema wird bereits im Hauptwerk dieser Zusammenstellung aufgegriffen; weiche, glitschige Tonerde wird zu wunderbaren Skulpturen modelliert und durch verschiedene Brennvorgänge in glasharte, bunte Geschichten verwandelt. Klein-Josef bestaunt, auf dem Rand von insgesamt 23 tellerartigen Bühnen sitzend, Kunstwerke berühmter Künstler. Werke, welche die Entwicklung von Josef Rainer in irgendeiner Weise berührt und so sein Schaffen beeinflusst und vielleicht auch verändert haben.
Drei Büsten knüpfen an diesen Versuch einer kurzen Kulturgeschichte an. In zwei Keramikbüsten werden Klassiker der Literatur interpretiert. Italo Calvinos „Il barone rampante“ und Jules Vernes „Die Leiden eines Chinesen in China“. Der Baron scheint mit einem Baumstamm verwachsen zu sein, ein Hinweis auf seine selbstgewählte Einsiedelei in einer Baumkrone. Den Kopf des Chinesen ziert anstelle einer Kopfbedeckung eine Flussszene samt Dschunke, ein Hinweis auf eine Schlüsselszene des Buches. Die dritte Büste, diesmal ein sich drehendes Doppelportrait aus Gips, wechselt janusköpfig vom Bildnis eines Schimpansen in das Charles Darwins. Der Evolutionsforscher Darwin ist in diesem Werk untrennbar mit seinem Forschungsobjekt verbunden. Eine Reihe von Malereien greift dieses Motiv des Menschen-Affen auf und vertieft dieses. Affen blättern und lesen in Büchern der Weltliteratur. Wirken diese Leseaffen nicht sehr menschlich? Liegt der Grund dafür lediglich im Akt des Lesens? Die Thematik des Tier-Menschen wirkt im Keramik-Froschkönig weiter. Der sein Recht einfordernde Frosch scheint just in diesem Moment von der Prinzessin an die Wand geklatscht worden zu sein, noch ganz Froschgestalt. Aber möglicherweise im nächsten Moment schon ein wunderschöner Königssohn.
All diese Überlegungen und Gedankenspiele scheinen die zwei Künstler, auf Schulstühlen sitzend, zu langweilen. Ob sich diese zwei etwas zu klein geratenen Künstler vielleicht mehr an den Museums- und Kunstbauten erfreuen können? Z.B. an dem Modell eines fiktiven Kulturzentrums, welches in Zusammenarbeit mit Bienen entstanden ist. Ein Bauwerk, welches die Wichtigkeit der Kultur im Allgemeinen und besonders in Krisenzeiten unterstreichen will. Dieses futuristisch anmutende Architekturmodell verbindet das baumeisterliche Können der Bienen mit der Zurücknahme, ja beinahe dem Ausblenden des künstlerischen Eingriffes und Egos. Hier kann der Künstler ruhigen Gewissens den Bienen bei der Arbeit zusehen und sich dabei langweilen. Oder sich mit der komplexen Welt des „Theater der Erinnerungen“ beschäftigen. Dieses Anatomie- und Sammlungssaal-Modell vereint verschiedene Elemente, wie die Drachensammlung eines Ulisse Aldrovandi, mit der Platonischen Idee eines „Theater der Erinnerungen“. Und versteht sich als eine Art Welterklärungsmodell, ähnlich den höfischen Kunstsammlungen. Genauso komplex und aktuell ist das Theatersaalmodell, welches Goethes Text „Über Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke“ zitiert und in einer Theaterszene komprimiert. Ein dreidimensionales Gespräch zwischen einem Zuschauer und dem Anwalt des Künstlers. Welches den Wert, aber auch die Aufgabe der Kunst zum Inhalt hat. Vielleicht sind in diesem Rahmen die Wichtigkeit und der Wert der Kunst das einzig Andauernde.

 
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