Alessandro Casciaro
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Sissa Micheli - Jürgen Klauke

Scenography of Existence

10.10. 12.12.2020
Alessandro Casciaro
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Die Welt lässt sich durch Kunst nicht verändern.
Indem ich sie aber immer wieder durch Bilder neu artikuliere,
trage ich dazu bei, sie zu buchstabieren.
Jürgen Klauke

Die Alessandro Casciaro Galerie zeigt mit Werken von Sissa Micheli und Jürgen Klauke einen inspirierenden Zweiklang zweier außergewöhnlicher künstlerischer Positionen der Gegenwart. Micheli, Südtiroler Künstlerin mit internationalem Renommee, hat sich Klauke als Dialogpartner für die Ausstellung gewünscht; das Werk des Documenta-Teilnehmers ist heute ein fester Bestandteil der deutschen Kunstszene. Für Künstlerin wie Künstler sind Fotografie und Film die bevorzugten Medien, doch auch inhaltlich gibt es eine Reihe von Berührungspunkten zu entdecken: die Inszenierung und Ästhetisierung der menschlichen Existenz sowie ihrer Identität, das Spiel mit Präsenz und Absenz, mit Stofflichkeit und Sinnlichkeit, die Lust am Extravaganten und Surrealen, am Rätselhaften und Humorvollen.
 
Sissa Micheli hinterfragt in vielfältigen Fotografien, Videoarbeiten und Objekten Alltägliches und Bekanntes, eröffnet neue Blickwinkel und Sichtweisen. Die zu sehende Bildoberfläche verweist oft auf etwas Anderes, dahinter Liegendes, auf eine verborgene Geschichte, die nur erahnt, auf ein Rätsel, das nur bedingt gelüftet werden kann. Neugierig und forschend nähert sie sich ihren Untersuchungsfeldern und erschafft einen sinnlichen wie hintergründigen Mikrokosmos, der sich zwischen Realität und Fiktion, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegt. Jenseits der funktionalen Zuschreibung verleiht Micheli Objekten aufgeladene Bedeutungsebenen mit surrealer Strahlkraft. So zeigt die Künstlerin zwei neue Fotoarbeiten aus der Serie „Museum Rhapsody – Objective Correlatives“, in der sie Gegenstände aus dem Palais Mamming Museum in Meran miteinander kombiniert, ohne dass diese in einem zwingenden Verhältnis zueinanderstehen. Durch ein feinfühliges poetisches wie humorvolles Arrangement werden sie aber gegenseitig mit neuem Sinn aufgeladen. Dadurch entstehen ungewöhnliche wie bizarre Objekte: in „King of Pins“ dient eine alte verzierte Haarklammer einem Totenkopf als Krone, in „Tears of the Past“ ragen aus einem von den Faschisten abgeschlagenen Marmorkopf der Kaiserin Elisabeth versteinerte Tränen aus Milchquarz – Assoziationen an die Dolomiten kommen auf. Vor schwarzem Hintergrund hochdramatisch inszeniert laden die Fotografien dazu ein, die Geschichten selbst weiterzuspinnen, neue Bedeutungen und Interpretationen zu finden. Die Inszenierung ist überhaupt ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit Michelis, das bewegte, dynamische Bild ein ständiger Begleiter. Immer wieder lässt die Künstlerin die Grenzen zwischen Film, Fotografie und Installation verschwimmen: Sie hält den Rauch einer Pfeife fotografisch fest und transferiert ihn als großformatigen Teppich auf den Boden oder verwandelt ihn als lavaartige Masse in ein surreales dreidimensionales Objekt. Mit fliegenden Kleidungsstücken erschafft sie faszinierende temporäre Skulpturen, die in einem sinnlich dynamischen Spiel das Flüchtige und Vergängliche feiern. Gleichzeitig versinnbildlichen die Arbeiten auch das Grundcharakteristikum der Fotografie, einen Augenblick festzuhalten, einen Moment visuell einfrieren zu lassen, um ihm Bedeutung zu verleihen. In dem neuen, eigens für die Ausstellung entstandenen Triptychon „Scenarios of Existence“ schweben mächtige, an Tier- oder Totenköpfe erinnernde Textilien vor dem Gesicht einer Frauengestalt. Der in die Welt geworfene Mensch ist verletzlich, der Endlichkeit und dem Tod ausgeliefert.
 
Seit den 1970er Jahren beschäftigt sich Jürgen Klauke in Fotografien, Zeichnungen, Videoarbeiten und Performances mit dem menschlichen Körper und dessen geschlechtlichen Identität. Radikal stellt er konventionelle Geschlechterrollen in Frage, analysiert ihre sozialen Konventionen und Konstruktionen. In theatralisch wirkenden Settings dekonstruiert er sexuellen Typologien und ihre Auswirkungen auf Identität und Subjekt. Immer wieder dient dabei sein Körper als Stellvertreter und Projektionsfläche multipler Rollen und Identitäten, aber auch Modelle kommen zum Einsatz. Die Fotografie ist ein Instrument, um sich und die Welt zu befragen. Das Zeigen auch ausgewählte fotografische Arbeiten der 1990er und 2000er Jahre, die in der Ausstellung zu sehen sind. Die Arbeiten kreisen um die Ästhetisierung des Existenziellen, um die Unzulänglichkeiten des Daseins und Bedingungen des Lebens, um die Struktur von Welt, Gesellschaft und innerer Zusammenhänge – für Klauke Konstanten, die uns begleiten, egal wie stark sich die Welt verändern mag. Dabei wird er nicht müde, immer wieder neue Bilder für das immer Gleiche zu kreieren. Sie sollen, betont der Künstler, bei Betrachter/innen eine Bewusstseinskrise auslösen, die zu einer Vertiefung der Wahrnehmung und einem anderen Blick auf die Welt führen kann. In melancholischer Ästhetik wird die paranoide Struktur unserer Welt vorgestellt. Vor dunklen Hintergründen wirken die Akteure dieser Choreografie eingefroren, maskenhaft, isoliert und verweisen nicht mehr auf sich selbst, sondern darüber hinaus – sie haben die Sphäre subjektiver Befindlichkeit verlassen. Das skulpturale Moment, die körperliche Symbiose von Mann und Frau und ein erotischer Schwebezustand charakterisiert die Fotoarbeit „Heimspiel“. Auf einer Konstruktion von Tisch und Stühlen sitzt ein seltsam beziehungslos verfochtenes Paar, der Oberkörper des Mannes wird durch den Rock der Frau verhüllt. Isolation und Verfremdung kennzeichnen auch „Ästhetische Paranoia“ oder „Vergewisserungstechnik“. Mit Bett- und Tischobjekten, Stühlen oder von der Decke hängenden Gegenständen arbeitet sich Klauke an Weltentwürfen ab, arrangiert mit und auf ihnen typisierte Menschen und lässt innere Erfahrungen bildlich sicht- und spürbar werden. Ein poetischer wie melancholischer Blick, rätselhaft und hochästhetisch, aber immer auch garniert mit feinem Humor und subtiler Ironie.

Noch vor der Pandemie entstanden erscheinen die Kunstwerke von Klauke wie Micheli gegenwärtiger denn je. Sie erfahren, unter dem Eindruck unserer aktuellen unsicheren Zeit, eine neue Beachtung und Lesart.
 

Kurator und Text: Günther Oberhollenzer


 
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